Chronik der Pfarrkirche St. Willibald

Im Jahre 1903 baute die Kgl. Bayerische Eisenbahn im Süden von Nürnberg einen großen Rangierbahnhof. Ab 1904 entstanden für die Arbeiter des Rangierbahnhofs in unmittelbarer Nähe Wohnungen – Die Geburt unserer Siedlung. Bereits 1909 wurde ein katholischer Kirchen-Bausammelverein gegründet. 1910 erfolgte in der Kgl. Eisenbahndirektion Nürnberg eine Besprechung über den Bau einer Kirche und eines Kuratenhauses. Am 22.9.1912 wurde vom Erzbischof Dr. v. Hauck der Grundstein gelegt. Auf der Pergamenturkunde im Grundstein steht:

"Heute, den 22. September des Jahres 1912, da der Papst Pius X. die Kirche Christi regiert, da sein kgl. Hoheit Prinz Luitpold von Bayern im Namen seiner Majestät des Königs Otto Regent des Königreiches Bayern ist; da seine Exzellenz, der Hochwürdigste Herr Erzbischof Jakobus Hauck, Ss. Theologiae Doktor und Reichsrat der Krone Bayerns, als Oberhirte die Erzdiözese Bamberg leitet; da Seine Exzellenz Lorenz von Seinlein, Staatsminister der Verkehrsangelegenheiten Bayerns ist; da Dr. Georg Ritter von Schuh, kgl. Geheimer Hofrat, als Oberbürgermeister an der Spitze der Stadtverwaltung Nürnberg steht; hat der Hochwürdige Herr Erzbischof, Seine Exzellenz Dr. Jakobus Hauck, diesen Grundstein feierlich geweiht und gelegt.

         

Diese Kirche soll künftighin das Gotteshaus für den Seelsorgebezirk Nürnberg Rangierbahnhof werden, der zur Pfarrei Herz-Jesu gehört.

         
Vorstand der Pfarrei ist Stadtpfarrer Konrad Stahl. Die Pläne zu diesem Gotteshaus hat der kgl. Eisenbahnassessor Weiß dahier entworfen; die Bauleitung führt die kgl. Eisenbahndirektion; die Erd-, Mauer- und Steinhauerarbeiten Baumeister Hans Saueressig."
         

Nach nur neuneinhalb Monaten Bauzeit wurde die Pfarrkirche am 6. Juli 1913 durch Weihbischof Dr. Adam Senger eingeweiht. Über fünf Jahre war St. Willibald Kuratie. Am 27. Juli 1922 wurde sie zur Pfarrei erhoben und somit die Kirche zur Pfarrkirche.

 

 

Unsere Kirche ist 37m lang und 14m breit. Der Chorraum mißt in seiner Länge 12m und 8m in der Breite. Der Bauassessor Weiß bezeichnete den Baustil allgemein als "fränkisch".

         

Nach eigenem Entwurf wurden von der Bay. Hofglasmalerei Gustav van Freeck in München die fünf farbigen Fenster im Altarraum hergestellt. Sie zeigen Darstellungen aus dem Leben des hl. Willibald und wurden ab 1922 eingebaut.

Franz Weiser, ein begnadeter Meister aus München, schuf die Kreuzigungsgruppe, die seit der letzten Renovierung an der rechten Seite im Chorraum steht. Ebenfalls stammen von ihm die Seitenaltäre, nachdem man 1930 die Notlösung beseitigte.

Der Hochaltar zeigt die Bildnisse des Kirchenpatrons St. Willibald und seiner hl. Schwester Walburga, der hl. Bistumspatrone Heinrich und Kunigunde, des hl. Bischofs Otto von Bamberg und des Patrons des südlichen Nürnbergs, des hl. Diakons Lorenz. Diese sechs aus rotem Granit gehauene Statuen stehen rechts und links vom Tabernakel.

Die Kriegergedächtniskapelle im hinteren Teil des Kirchenschiffs wurde am 2. Mai 1948 eingeweiht. In Ihr steht die wunderschöne Pieta des Regensburger Bildhauers Guido Martini.

Bereits 1913 konnte Kurat August Seither vom Meister Lotter in Bamberg drei Bronzeglocken gießen lassen. Geweiht wurden sie auf die Namen St. Willibald, Heinrich und Kunigunde sowie Maria. Die beiden größeren Glocken mußten 1917 zur Produktion von Kriegswaffen abgeliefert werden. Das Ordinariat Bamberg hätte es gerne gesehen, wenn die Pfarrei wieder zwei Bronzeglocken zu der kleinen beschafft hätte. Leider konnte die Pfarrei die finanziellen Mittel nicht aufbringen. Man verkaufte die kleine Bronzeglocke an die Katholiken von Unterliesheim bei Dillingen.

Von dem Erlös, ergänzt durch Spenden und Zuschüsse konnte die Pfarrei nun drei neue Glocken beschaffen. Es sind zwar nur Gußstahlglocken, aber 3,2 t schwer und wurden 1922 in Bochum gegossen. Sie tragen die gleichen Namen wie ihre bronzenen Vorgängerinnen.

Im Jahr 1969 machten sich Pfr. Schaduz und Gemeindemitglieder auf, für unsere Kirche einen Kreuzweg zu erwerben. Bruder Bonifaz Nüdling aus der Benediktinerabtei Münsterschwarzach schnitzte nach seinem eigenem Entwurf die 15 Stationen aus Lindenholz. Im Februar 1970 wurde der Kreuzweg feierlich eingeweiht.

Unsere jetzige Orgel, die am 4. Oktober 1985 geweiht wurde, ist übrigens die erste Orgel, die eigens für die Pfarrei gebaut wurde. Sie hatte zwei Vorgängerinnen, die jede für sich eine bewegte Geschichte aufwiesen. 1913 wurde die Orgel der Mutterpfarrei Herz-Jesu bei uns installiert. Ein Geschenk an die künftige Kuratie. Muskelkraft war nötig, um den nötigen Wind für das Orgelspiel zu erzeugen. 1938 wurde sie mit einem elektronischen Gebläse versehen, das fast jährlich repariert werden mußte. 1963 wurde die bereits 1913 gebaute Orgel der Zisterzienserinnenabtei Seligenthal zu einem erschwinglichen Preis erworben.

         

Während ihres Bestehens erlebte die Pfarrkirche folgende Pfarrer und Kuraten:

Kurat August Seither ................... 1912 - 1917

Kurat Christoph Schürr ............... 1917 - 1922

Pfr. Christoph Schürr .................. 1922 - 1931

Pfr. Christian Brand .................... 1931 - 1940

Pfr. Dr. theol. Karl Ulrich ............. 1941 - 1956

Pfr. Philipp Schaduz ................... 1956 - 1979

Pfr. Hans Gerber ........................ 1981 - 1994

Pfarradm. Josef Czerepak .......... 1994 - 2004

Pfarradm. Georg Kochuparampil ..2004 - 2011

Pfarrer Andreas Lurz seit September 2011

   
         

Die Pfarrkirche St. Willibald wurde in ihrer über 90jährigen Geschichte schon mehrmals renoviert. 1924 und 1926 erfolgten zwei Versuche, die Kirche auszumalen. Sie mißglückten beide Male. Die beiden Seitenaltäre wurden 1930 eingebaut und konsekriert. Sechs Bomben schlugen am 11. April 1945 rund um unsere Pfarrkirche ein. Die Umfassungsmauer wird eingerissen, die Fenster werden zertrümmert und die Dachstühle von Pfarrhaus und Kirche schwer beschädigt.

Im Jahr 1967 wurde wieder eine Kirchenrenovierung begonnen. Der Putz der Kirchenmauer wurde 1972 erneuert. 1983 wurde das letzte mal die Kirche renoviert. Acht Monate dauerten die Arbeiten. Der provisorische "Volksaltar" wurde dabei durch einen neuen Altar ersetzt. Dieser wurde von Herrn Weihbischof Dr. Martin Wiesend konsekriert.

 

         

1996 wurden für die Bänke neue Sitzkissen angeschafft und im Jahr 2002 wurde die Lautsprecheranlage erneuert.